"Historische Text- und Diskurssemantik"
11. Jahrestagung der GGSG
25.-27. September 2019 an der Universität Vechta

Tagungswebsite: http://www.baer-linguistik.de/ggsg2019.htm
Website der GGSG: https://www.germanistische-sprachgeschichte.de
Promotionspreis "Peter von Polenz": https://www.germanistische-sprachgeschichte.de/peter-von-polenz-preis/peter-von-polenz-preis-2019/
Twitter: @ggsg_ev #ggsg2019 #pvp2019

Eröffnung der Tagung
https://twitter.com/MHD_BDB/status/1177116465058721792
https://twitter.com/R_Steinicke/status/1177117285833744385
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177120331833782272
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177122035824234496

Oskar Reichmann (Heidelberg/Göttingen)
Probleme der Textgestaltung in der Sprachgeschichtsforschung
Reichmanns Plädoyer für die Öffnung der Sprachgeschichtsschreibung hin zu einer interessierten Öffentlichkeit wird angeregt diskutiert, als direkte Konsequenz wird eine Arbeitsgruppe in der Gesellschaft angeregt, die Themen für #OpenScience bzw. #CitizenScience identifiziert.
https://twitter.com/JAKMende/status/1177139256302682112

Nina-Maria Klug (Kassel)
Zur multimodalen Analyse historischer Texte und Diskurse
Klug setzt auf den Prämissen der Diskurslinguistik auf und fokussiert das semiotische Potential von Bildern in multimodalen Diskursen. In der Analyse wird die argumentative Komplexität multimodaler Bezugnahmen deutlich.
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177148329697959936
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177153002593050624

Christine Ganslmayer/Peter O. Müller (Erlangen)
Konzeptbildung und Diskursgeschichte im Spiegel der Wortbildung. Das Beispiel "-ismus"
Anhand europäischer -ismus-Bildungen lassen sich Internationalisierungen von Konzepten beschreiben und Diskurse aufspüren. Ganslmayer/Müller setzen für eine systematische Beschreibung auf die Datenbasis beim DTA und zeigen die Produktivität des Wortbildungsmusters auf -ismus zwischen 1600 und 1900 in unterschiedlichen kommunikativen Domänen. Bei allen Schwierigkeiten im Hinblick auf die Schichtung des DTA wird angesichts der Type-Token-Relationen besonders deutlich, dass das Muster am Ende des 18. Jahrhunderts einen erheblichen Produktivitätsschub erfährt -- ein Schwerpunkt liegt auf Bezeichnungen von "Lehren/Weltanschauungen". Das Gesagte wird abschließend am Konzeptwandel von Mechanismus beschrieben.
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177161533987721216
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177162164332847104
https://twitter.com/ggsg_ev/status/1177164628402548736


Matthias Attig (Vechta)
Wortfeldanalyse und Diskurssemantik. Immanentes und transzendierendes Interpretieren
Attig plädiert am Beispiel von Paul Celan über Hölderlin für eine minimaldiskurslinguistische Analyse -- also einer auf einen Diskursakteur Celan -- und seine transtemporale Selbstgespräche -- bezogenen Diskursanalyse mit Hölderlin als Gegenstand.

https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177191982126567429

Jana-Katharina Mende (Breslau)
Theoretische Reflektionen zu Mehrsprachigkeit im Diskurs als Gegenstand und als Analysekategorie
Mende spricht über Mehrsprachigkeit und faltet (1) die Dimensionen des Gegenstands im Diskurs an drei Beispielen aus: "Paradigma der Einsprachigkeit" (Goglin 1997, Yildiz 2012), Mehrsprachigkeit als Ressource (z.B. als Ziel für innereuropäische Kommunikation), postmonolinguale Literatur. In einer vergleichenden Diskursanalyse kann (2) Mehrsprachigkeit des Diskurses für die Analyse relevant werden. (3) Mehrprachigkeitsdiskurse können sprachideologisch motiviert sein und Gegenstand einer Diskursanalyse auch in (4) historischer Distanz werden.

https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177207292191793155

Anja Lobenstein-Reichmann (Prag/Göttingen/Heidelberg)
Vom Antijudaismus zum Antisemitismus – Stationen eines Ausgrenzungsdiskurses
Lobenstein-Reichmann wendet sich zwei Themen zu: zum einen der Diskursentwicklung vom Antijudaismus zum rassischen Antisemitismus als "diskursivem Staffellauf", zum anderen sprachlichen Strategien der Ausgrenzung. Eine Grundlage für die Diskriminierung stellt nach Lobenstein-Reichmann die Verwendung des Rassenbegriffs dar. Zeitübergreifende Strategien zur Konstruktion von Hass sind Lobenstein-Reichmann zufolge in historischen Diskursen über Juden salient. Skandalisierung und Emotionalisierung spielen in diesen Diskursen eine große Rolle. 
https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177223860745383937

Sina Lautenschläger (Kassel)
Stille – Schweigen – Verschwiegenheit: Kommunikationsideale?

Lautenschläger befasst sich mit den Phänomenen von Schweigen und Sprechen. Sie betont, dass Schweigen über einen hohen argumentativen Wert verfügt. Schweigen kann Lautenschläger zufolge allerdings nur aus dem Kontext erschlossen werden und ist eine Frage der Interpretation. Eine Interpretation ist aber nach Lautenschläger erschwert, wenn keine face-to-face Kommunikation gegeben ist. Sie stellt die Formen von Schweigen tabellarisch dar und bezieht sich dabei auf den Aspekt der Intentionalität aus der Pragmatik. Der Vortrag spannt den Bogen zur Korpuslinguistik und diskutiert einen Herangehensweise, wie quantitative und qualitative Analysen zur Erfassung von Schweigen in gesellschaftlichen Diskursen zusammengeführt werden könnten. Lautenschläger stellt ihr deutschsprachiges Korpus aus dem 18. Jahrhundert vor. Die Sprecherin unterscheidet zwischen repressivem, kommunikativem und markiertem Schweigen. 

https://twitter.com/AnnamariaFabia2/status/1177236401383006208

Maria Hinzmann (Wuppertal)
Die Operationalisierung der Topik als Heuristik: Ein philologisches Modell zur Analyse von Re­kur­renz­mustern in Diskursen
Hinzmann diskutiert die Begriffe Diskurs/Topos, um sie zu operationalisieren und als Anschlusspunkt für literaturlinguistische Analysen zu verstehen. Zur Visualisierung von Topoi in Reiseberichten verwendet sie das Tool "Visual Understanding Tool (http://vue.tufts.edu/ ).
https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177480119159414785

Sonja Zeman (München)
Fictional minds? Gedankenwiedergabe im mittelhochdeutschen Versepos
Zeman plädiert für die Untersuchung literarischer Texte für eine Operationalisierung einer "Makrosemantik" als einer "reichen Semantik" nach Busse, Bär und Gardt. In den Blick nimmt sie "Gedankenwiedergaben" im Eneas und fächert das Selbstgespräch zwischen "Selbstansprache" und "Selbstaussprache" als "triadische Struktur des Selbstgesprächs" nach Butzer auf.

Peter Hinkelmanns (Salzburg) und Matthias Schulz (Würzburg)
Erhebung und Analyse frühneuzeitlicher Diskurse. Probleme, Grenzen und Perspektiven am Beispiel eines institutionell-universitären Diskurses in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
Die Vortragenden befassen sich mit der Erhebung und Analyse frühneuzeitlicher Diskurse. Sie diskutieren Probleme, Grenzen und Perspektiven am Beispiel eines institutionell-universitären Diskurses in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Korpus behandelt universitäre Belege aus Greifswald. Das Ziel der linguistischen Textaufbereitung und - analyse ist die Erforschung der Lexik und Argumentation der am Diskurs beteiligten Akteure. Problematisch kann u.a. die Annotation der Texte sein, aber auch Korrekturen in den handschriftlichen Texten können eine Herausforderung bei der Analyse darstellen. Schulz konstatiert sprachstufenübergreifende Muster in dem Untersuchungskorpus und plädiert dafür, dass eine diskursanalytische Modellierung von Argumentationsmustern unter zeitlichem Wandel erfolgt. 
 
https://twitter.com/AnnamariaFabia2/status/1177511286030000128

Kerstin Roth (Heidelberg)
Die Textsorte Lebensbeschreibung als Forschungsprojekt der Text- und Diskurssemantik
Roth stellt den kommunikativ-pragmatischen Rahmen ihres Untersuchungstextes vor. Sie untersucht Herrnhutische "Lebensbeschreibungen" aus dem 17. Jahrhundert. Texte als Die Lebensbeschreibung von Salome Wasmer hat nach Roth einen stark religiösen, aber individuellen Charakter. Persönliche Stationen des Lebens werden nach Roth in diesen Lebensläufen nur am Rand erwähnt, im Fokus steht die die persönliche religiöse Entwicklung. Die Sprecherin geht außerdem auf die textuelle Makrostruktur und bezieht sich dabei auf Gardt. Mit ihrer Textsortendefinition knüpft sich Roth an die Textsortendefinition von Lasch an. Eine besondere Aufmerksamkeit schenkt die Sprecherin insbesondere dem abschließenden Textteil der Briefe von Salome Wasmer. Ein einzelner Text kann das religiöse Weltbild der Herrnhuten nach Roth nicht vollständig darstellen, deshalb lautet das Plädoyer von Roth für die Berücksichtigung möglichst vieler Briefe dieser Gemeinschaft. 

https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177522782437027840

Annamária Fábián (Regensburg) / Igor Trost (Passau)
Die sprachliche Realisierung von Auto- und Heterostereotypie in dem Diskurs
um die Emser Depesche 
An einem Korpus bestehend aus deutschen Zeitungsartikeln aus dem Diskurs um die Emser Depesche im 19. Jahrhundert zeigen Fábián/Trost kommunikative Strategien und Praktiken, die zur Realisierung von Stereotypie beitragen und den Ton des Diskurses über den anstehenden Krieg zwischen Deutschland und Frankreich prägen.  Der Fokus des Vortrags liegt auf kognitiv salienten, aber umso subtileren grammatischen Konstruktionen, die in dem Korpus rekurrent auftreten. Fábián/Trost zeigen, dass Konstruktionen wie Nominalphrasen, attributive Adjektive und Genitivattribute sich für Eigeschafts- und Handlungszuweisungen zum eigenen und zum befeindeten Kollektiv sehr gut eignen. Diese Konstruktionen können zur Entstehung und Verfestigung von Hetero- und Autostereotypen dauerhaft beitragen.

https://twitter.com/AlexanderLasch/status/1177559932880732160


Sebastian Rosenberger (Heidelberg)
Das Konzept der ,Zivilisation‘ in den Jahren um den Ersten Weltkrieg
In einer lexikogrphischen Beschreibung nähert sich Rosenberger der Auffassung von Zivilisation bei Chamberlain, Oswald Spengler und Thomas Mann -- er rekurriert dabei stark auf deren rassenideologische Fundierung der Konzepte von Zivilisation und Kultur, um sie vergleichend zu definieren.